Lagerverwaltung

Steinplatten fotografieren: Smartphone bis Scanner

8. April 2026 13 min

Wer Natursteinplatten verkaufen will, muss sie zeigen können. Architekten, Planer und Einkäufer treffen ihre erste Entscheidung am Bildschirm — nicht im Lager. Das Problem: Viele Betriebe haben Hunderte Quadratmeter Natursteinplatten auf Lager, aber nur einen Bruchteil davon so erfasst, dass sie digital den Kunden gezeigt werden können. Was nicht sichtbar ist, wird nicht angefragt. Vier Methoden stehen zur Verfügung: Kamera, Fotobooth, professionelle Fotostation und industrieller Scanner. Jede hat ihren Platz. Dieser Artikel zeigt, was die einzelnen Optionen kosten, leisten und wo ihre Grenzen liegen — und warum das Foto allein noch keinen Katalog ergibt.

Steinplatten fotografieren: Smartphone bis Scanner

Was nicht sichtbar ist, wird nicht angefragt

Naturstein ist ein visuelles Produkt. Bei der Auswahl zählt zuerst die Plattenproportion — großes Format ist heute Pflicht, sonst wird eine Platte zum Ladenhüter. Danach die Aderungsstrukturen innerhalb des Materials, die Farbverläufe von links nach rechts und ob das Ganze für die angestrebte Oberfläche geeignet ist. Nach diesen Kriterien treffen Einkäufer, Architekten und Planer ihre Entscheidung. Heute fällt diese Entscheidung immer mehr am Bildschirm und immer weniger im Lager. Der Grund: Ins Lager fahren kostet Zeit — und die hat heute niemand mehr. Eine Anfrage kommt rein, und die Antwort muss schnell folgen. Die Arbeit verläuft zeitversetzt: Tagsüber Kundenkommunikation, abends wird abgearbeitet. Der Weg ins Lager ist für die meisten schlicht nicht mehr machbar.

Gleichzeitig verändert sich die Branche von einer anderen Seite: Die meisten Steinherstellungsbetriebe — also die, die Blöcke zu Platten verarbeiten — digitalisieren ihre Platten heute bereits standardmäßig. Das digitale Abbild entsteht beim Produzenten. Aber die wenigsten Kunden fordern diese Daten beim Kauf ein. Es gibt also zwei Aufgaben, die parallel laufen: den eigenen Bestand digital sichtbar machen — und beim Einkauf dafür sorgen, dass neben der physischen Platte auch das digitale Abbild mitkommt. Für Betriebe, die mehr einkaufen als selbst produzieren, ist die Antwort oft einfacher als gedacht: eine kompakte Lösung für die eigene Erfassung, und bei der Plattenauswahl künftig Platte plus digitales Abbild zusammen einkaufen. Das ist kostenneutral — der Produzent hat die Daten bereits.

Viele Betriebe haben einen großen Lagerbestand — Hunderte Quadratmeter Natursteinplatten auf Lager. Aber nur ein Bruchteil davon ist so erfasst, dass die Platten digital den Kunden gezeigt werden können. Der Rest existiert auf Papier, in einer Excel-Tabelle oder im Gedächtnis der Lagermitarbeiter. Was dort steht, findet kein Architekt — und kein Suchsystem.

Die Konsequenz ist messbar: Was nicht sichtbar ist, wird nicht angefragt. Platten, die nicht digital verfügbar sind, liegen länger, verlieren an Aktualität, werden zu Badsellern. Umgekehrt berichten Betriebe, die auf digitale Plattenerfassung umgestiegen sind, nicht nur von einem deutlichen Anstieg der Anfragen — sondern auch davon, dass sie ihr Lager insgesamt reduzieren konnten. Ladenhüter, die vorher einfach Platz weggenommen haben, werden sichtbar, werden für kleinere Projekte aufgeschnitten oder finden einen Käufer.

Mit vier Methoden arbeitet die Branche: Smartphone, Fotobooth, professionelle Fotostation und Scanner. Das Smartphone dient dabei als Notlösung für schnelle WhatsApp-Bilder. Für die professionelle Darstellung im B2B-Bereich ist die richtige Wahl zwischen Fotobooth, Fotostation und Scanner eine bewusste Entscheidung, die von Betriebsgröße, Budget und der Frage abhängt, wie nah die Erfassung an den Produktionsprozess rücken soll.

< 10 %
der Lagerplatten sind in vielen Betrieben digital erfasst — der Rest ist für Kunden und Planer unsichtbar
Branchenschätzung auf Basis von Kundengesprächen

Vier Methoden im Direktvergleich

1

Kamera / Smartphone

Investition: 0–500 EUR. Aufwand pro Platte: 1–3 Minuten. Qualität variabel, abhängig von Licht und Erfahrung. Überall im Betrieb anwendbar, keine Standortabhängigkeit — spart Transportzeit. Farbkalibrierung muss manuell erfolgen. Maße werden nicht automatisch erfasst. Keine Hardware nötig, sofort startbar. Nachteil: Schwankende Qualität und Bilder müssen manuell ins Lagersystem übertragen werden — eine Schnittstelle fehlt bei den meisten Systemen.

2

Fotobooth (DIY)

Investition: unter 5.000 EUR. Aufwand pro Platte: 30–60 Sekunden. Konsistente Qualität durch kontrollierte Beleuchtung. Standortgebunden — Platte muss zur Station transportiert werden. Farbkalibrierung einmalig. Maße nicht automatisch. Jeder Mitarbeiter kann bedienen. Niedriges Invest, aber hoher laufender Arbeitsaufwand durch den Transport.

3

Professionelle Fotostation

Investition: ab 10.000 EUR aufwärts. Aufwand pro Platte: wenige Sekunden. Hinter der Polierstraße integriert, Platte steht still — Foto entsteht zwischen Trocknung und A-Bock. Höchste Bildqualität (40 MP), Kalibrierung über Kamera-Abstand (einmal eingestellt). Millimetergenau. Erkennt feinste Risse und Defekte. Fester Standort in der Produktionslinie.

4

Industrieller Scanner

Investition: 20.000–80.000+ EUR. Aufwand pro Platte: 10–20 Sekunden. In die Polierstraße integriert — Platte bewegt sich durch den Scanner. Automatische Farbkalibrierung per LED. Maße, Kontur und ID werden automatisch erfasst. Sehr hohe Bildqualität, aber durch die Plattenbewegung nicht ganz auf dem Niveau einer stationären Fotostation. Bei einem Stopp oder bei Verunreinigung der Transportbänder können Messfehler entstehen. Jeder Mitarbeiter kann bedienen.

Kamera und Smartphone: Der Einstieg, der funktioniert

Jedes Smartphone mit 12 Megapixeln oder mehr reicht aus, um Plattenfotos für eine Online-Galerie zu erstellen. Der Engpass ist nie die Kamera — es ist das Licht.

Beleuchtung entscheidet über alles. Tageslicht durch offene Hallentore ist verfügbar, aber inkonsistent. Ein bewölkter Morgen liefert andere Ergebnisse als direkte Nachmittagssonne. Wer konsistente Ergebnisse will, baut eine feste Fotostation im Lager: zwei LED-Panels oder Softboxen, links und rechts im 45-Grad-Winkel zur Platte, mit diffusem Licht. Eine schwarze Fläche auf dem Boden unter der Kamera verhindert Reflexionen von unten. Umgebungslicht — Hallenbeleuchtung, Tageslicht durch Fenster — muss abgeschirmt oder zumindest minimiert werden. Nachteil einer fest aufgebauten Station: Die Platte muss dorthin gebracht werden — zeit- und personalintensiv. Wenn der laufende Transportaufwand zu hoch wird, lohnt sich die Überlegung, die Erfassung direkt in den Produktionsprozess zu integrieren.

Das Reflexionsproblem bei polierten Oberflächen. Polierter Marmor, Granit oder Quarzit verhält sich wie ein Spiegel. Ein einzelner Polarisationsfilter (CPL, ab 20 EUR) auf dem Objektiv reduziert Reflexionen, reicht bei stark poliertem Material aber oft nicht aus. Die professionelle Lösung ist Kreuzpolarisation: Ein Polfilter auf der Lichtquelle und ein zweiter auf dem Objektiv, um 90 Grad zueinander gedreht. Das entfernt Reflexionen nahezu vollständig und zeigt die reine Oberfläche — Farbe und Aderung ohne störende Lichtreflexe. Nachteil: 3,5 bis 5 Blendenstufen Lichtverlust. Ein Stativ wird damit zur Pflicht.

Farbkalibrierung. Eine X-Rite ColorChecker-Karte (ca. 60–90 EUR) wird als Referenz in die erste Aufnahme einer Serie gelegt. In der Nachbearbeitung werden die Farben auf die bekannten Referenzwerte korrigiert — alle folgenden Aufnahmen der Serie übernehmen das Profil. Ohne diesen Schritt entsteht bei der Projektplanung ein Schachbrettmuster aus hellen und dunklen Bildern statt nahtloser Übergänge. Auch bei professionell installierten Anlagen empfiehlt sich, in regelmäßigen Abständen die Farbkalibrierung zu kontrollieren, um die Konsistenz der Aufnahmen über lange Zeiträume sicherzustellen.

Nass gegen trocken. Frisch gesägte Platten, die mit Wasser benetzt werden, zeigen temporär intensivere Farben — der klassische Showroom-Trick. Das trockene Ergebnis weicht davon ab, und die polierte oder geharzte Platte sieht nochmals anders aus. Grundregel: Immer nach dem letzten Bearbeitungsschritt fotografieren und die Oberfläche entsprechend benennen — gehont, poliert, geflammt — damit der Kunde den Unterschied im Foto mit seiner Erfahrung auswerten kann. Was der Kunde auf dem Bildschirm sieht, muss der realen Platte entsprechen.

Kameraeinstellungen für DSLR/Mirrorless. Blende f/8 bis f/16 für gleichmäßige Schärfentiefe. ISO so niedrig wie möglich (100–400). Manueller Weißabgleich auf die Lichtquelle (5.500 K bei Tageslicht-LED). RAW-Format für verlustfreie Nachbearbeitung. Bei Smartphones: Pro-Modus aktivieren, Weißabgleich fixieren, kein HDR (verfälscht Farben), Stativ verwenden.

Der häufigste Fehler. Die Kamera steht schräg zur Platte. Perspektivische Verzerrung verfälscht die Aderung und macht die Aufnahme unbrauchbar für Zuschnittplanung. Die Kamera muss parallel zur Plattenoberfläche ausgerichtet sein — senkrecht von oben bei liegenden Platten, frontal bei stehenden.

Der zweithäufigste Fehler. Die Plattenidentität fehlt. Wer das Foto ohne eindeutige ID und exakte Maße abspeichert, hat am Ende Bilder ohne Zuordnung. Ohne ID und Maße ist keine korrekte Darstellung in einer Plattengalerie möglich — weder für die Lagerverwaltung noch für die Zuschnittplanung.

Vom Smartphone in die Steingalerie

Schritt 1: Smartphone-Foto im Lager Schritt 2: Steingalerie-Übersicht Schritt 3: Filteransicht Schritt 4: Detailansicht Schritt 5: Skalierte Ansicht

Vom Smartphone-Foto zur digitalen Galerie in weniger als 60 Sekunden.

Fotobooth: Der Einstieg mit festem Aufbau

Eine Fotobooth ist im Kern eine kontrollierte Umgebung: festes Gestell, feste Beleuchtung, feste Kameraposition. Die Platte wird aufgestellt, ein Auslöser gedrückt, das Ergebnis ist reproduzierbar. Personal braucht keine fotografische Erfahrung. Die Station ist standortgebunden — jede Platte muss dorthin transportiert werden, was bei großen Beständen spürbaren Aufwand erzeugt.

SlabSmith Photostation. Die am weitesten verbreitete Lösung in der Branche ist kein Fertigprodukt, sondern ein System aus selbstgebautem A-Frame-Gestell, einer Canon R100 und zwei Alien Bee Studioblitzen. Der obere Blitz hängt auf etwa 3,5 Meter Höhe, der untere steht möglichst nah am Boden — das Licht von unten hilft bei der automatischen Freistellung vom Hintergrund. Die Kamera kann bis zu neun Meter entfernt stehen. Nach der Kalibrierung — einem proprietären Prozess — ist jeder Punkt auf der Platte millimetergenau. Die optionale Validierungsfunktion warnt, wenn sich die Beleuchtung seit der letzten Kalibrierung signifikant verändert hat. Platzbedarf: eine Arbeitsstraße. Die Straße bleibt für den normalen Betrieb nutzbar.

Park Industries Pathfinder. Die kommerzielle Version: fertig geliefertes System mit Gestell, Greenscreen, optionalen Lichtständern, Kamera und PC. Maximale Plattengröße 3.660 x 2.130 mm. Gewicht: 907 kg. Software: SlabSmith Vollversion mit Aderungsmatching, digitalem Plattenlager und 3D-Visualisierung.

Stoneimage FLEXI PHOTOSHOOTER (Italien). Eine offene Fotokammer von Stoneimage aus Carrara, konzipiert für Showrooms und Verarbeitungsbetriebe. Kontrollierte Beleuchtung in einem kompakten Aufbau — gehört in die Kategorie der standortgebundenen Fotobooths mit professionellem Anspruch.

DIY ohne kommerzielles System. Viele Betriebe bauen eine einfache Station selbst: Platte aufrecht an ein Gestell, zwei Softboxen links und rechts, schwarzer Hintergrund, DSLR oder Smartphone auf Stativ. Das funktioniert — mit einer Einschränkung: Ohne Kalibrierung sind die Maße ungenau und die Farben zwischen Aufnahmen inkonsistent. Bei zehn Platten fällt das nicht auf. Bei dreihundert entsteht ein Katalog, in dem die gleiche Sorte mal warm, mal kalt wirkt.

Technische Zeichnung: Fotobooth-Aufbau mit A-Frame, Kamera auf Stativ, 90°-Skala und gleichem Abstand für alle Platten
Aufbauschema einer Fotobooth: Platte im A-Frame, Kamera auf der Mittellinie, gleicher Abstand für jede Aufnahme.

Professionelle Fotostation: Höchste Qualität im Produktionsfluss

Die professionelle Fotostation ist keine größere Version einer Fotobooth. Sie wird direkt hinter der Polierstraße installiert — nach der Trocknung, bevor die Platte auf den A-Bock geht. Die Platte steht still, die Aufnahme dauert wenige Sekunden. Im Gegensatz zur Fotobooth entfällt der Transport komplett: Die Erfassung passiert im laufenden Produktionsfluss.

Kontrollierte Beleuchtung auf Industrieniveau. Feste Lichtverhältnisse in einer geschlossenen oder abgeschirmten Umgebung liefern extrem gleichmäßige Ergebnisse. 40-Megapixel-Kameras lösen so hoch auf, dass selbst feinste Risse und Defekte erkennbar werden — ein entscheidender Vorteil für die Qualitätskontrolle vor der Auslieferung.

Kalibrierung über den Kamera-Abstand. Der Abstand zwischen Kamera und Platte wird einmal fest eingestellt. Daraus ergibt sich eine millimetergenaue Zuordnung jedes Pixels zur realen Plattenoberfläche. Eine Nachkalibrierung ist nur nötig, wenn die Kamera physisch bewegt wird. Das macht die Lösung im Alltag wartungsarm.

Stoneimage HD Photo Slabs (Italien). Das Unternehmen aus Carrara hat sich auf professionelle Erfassungssysteme für die Integration hinter Polierstraßen spezialisiert. Das HD Photo Slabs System ist ein hochautomatisiertes Erfassungssystem für die Fabrik: Ein Roboter platziert die Platte auf einem Seitenschieber, sie gleitet in eine Dunkelkammer, ein Ultra-HD-Erfassungssystem stimmt sich auf die Farbskala der Platte ab. Ergebnis: extrem detailgetreue Aufnahmen mit echten Farben. Die Systeme kombinieren hochauflösende Fotografie mit automatischer Vermessung und Konturerkennung. FTP-Integration mit Drittsystemen möglich.

Warum stationär besser ist als bewegt. Im Vergleich zum industriellen Scanner, bei dem die Platte durch das Gerät fährt, steht bei der Fotostation die Platte still. Das eliminiert Messfehler durch Bewegung und liefert nach unserer Erfahrung die höchste Bildqualität aller Erfassungsmethoden.

Alle großen Hersteller im Überblick

Industrielle Scanner erfassen in einem Durchlauf das hochaufgelöste Bild, die exakten Maße, die Kontur und eine eindeutige ID per QR-Code oder Barcode. Die Technik basiert auf Zeilenkameras (Line-Scan) und linearen LED-Lichtquellen in einer geschlossenen Einheit — Umgebungslicht hat keinen Einfluss. Die automatische Farbkalibrierung erfolgt über die LED-Lichtquellen. Im Gegensatz zur stationären Fotostation bewegt sich die Platte durch den Scanner. Das ermöglicht eine nahtlose Integration in die Polierstraße, bringt aber einen Nachteil mit sich: Bei einem Notstopp der Linie können Messfehler entstehen, und die Bildqualität erreicht durch die Bewegung nicht ganz das Niveau einer stationären Aufnahme.

Horus / D2 Technology (Portugal/USA). Das Iris-System gibt es in zwei Varianten: Iris 12K und Iris 21K Ultra. Scanfläche jeweils 3.850 x 2.150 mm, Scanzeit rund 16 Sekunden pro Platte. Gewicht: ca. 1.250 kg. Die Software umfasst Erfassung, 3D-Matching, Cloud-basiertes Plattenlager, automatische Defekterkennung (KI-gestützt) und einen Online-Katalog für Endkunden. Entscheidend: Horus bietet eine dokumentierte REST API (JSON, Bearer Token), was die Integration in Drittsysteme ermöglicht. Ein gebrauchter Iris Scanner (Baujahr 2022, ca. 100 Scans) wurde in den USA für 30.000 USD gehandelt. Neupreise liegen je nach Konfiguration bei einem Vielfachen davon.

Mapastone / Mapascan (Italien). Einer der ältesten Anbieter am Markt. Die Besonderheit: RAW-Datenspeicherung mit 48-Bit Farbtiefe — das Doppelte der üblichen 24 Bit. Das ermöglicht nachträgliche Tonanpassung ohne Qualitätsverlust. 16 speziell angeordnete LED-Lampen sorgen für gleichmäßige Ausleuchtung. Die Software reicht von der Bedienoberfläche am Scanner (Mapascan GUI) über Cloud-Accounts für Endkunden (Mapascan BOX) bis hin zu einer einfachen Planungssoftware für die Zuschnittplanung (MapaProject).

Park Industries SlabVision (USA). Nordamerikas größter Steinmaschinenhersteller baut den SlabVision mit 32-Megapixel-Kamera und der größten Scanfläche am Markt: 3.988 x 2.200 mm. Monoblock-Rahmen aus verzinktem Stahl, motorisiertes Entladesystem, 24-Zoll-Touchscreen. Die exklusive Software tMatch bietet digitales Aderungsmatching und DXF-Export für CNC-Sägen. Ergänzend: der Pathfinder als Fotostation (siehe oben) und das kompakte Side-Shot-System für den Einsatz direkt an der CNC-Säge.

Stone Vision / Helios (Total Stone Solutions). Ursprünglich von Helios gebaut, heute über Total Stone Solutions vertrieben. 12K Auflösung, 3.850 x 2.150 mm Scanfläche, 16 Sekunden Scanzeit. Kompatibel mit SlabSmith und SlabCloud.

STONIFY (Portugal). Ein Spin-off aus Universitätsforschung und Fabrikerfahrung, entwickelt von Frontwave und Sevways. Kein reiner Scanner, sondern ein vollintegriertes System von der Erfassung bis zur Lieferung — auf Basis von SAGE X3 ERP. Horizontale und vertikale Scanner, mobile App (SHOPFLOOR) für Echtzeit-Datenerfassung in der Produktion, vollständige Rückverfolgbarkeit. In Entwicklung: KI-optimierte Zuschnittplanung und IoT-Sensorik.

Chinesische Hersteller: AOKE und Xinhaineng. AOKE (Guangzhou) bietet den AKS-1S für 25.800 bis 32.900 USD — der einzige Scanner mit öffentlich einsehbarem Preis. Scanbreite bis 2.200 mm, Länge bis 3.500 mm, Geschwindigkeit bis 12 m/min. Allerdings: Die Auflösung liegt bei 94 DPI — drastisch niedriger als bei europäischen Systemen. Für einfache Katalogfotografie kann das reichen, für Aderungsmatching und Zuschnittoptimierung ist es unzureichend. Xinhaineng bietet bis zu 300 DPI und KI-gestützte Konturerkennung bei ähnlichen Preisen.

Der Engpass nach dem Foto: Daten, die nirgendwo ankommen

Ein Plattenfoto ist eine Datei auf einer Festplatte. Nicht mehr. Es wird erst zum Vertriebsinstrument, wenn es verknüpft ist: mit Materialname, Blockzuordnung, Maßen, Herkunft, Preis und Verfügbarkeitsstatus. In der Praxis vieler Betriebe fehlt genau diese Verknüpfung.

Was passiert mit Plattenfotos ohne integriertes System? Fotos landen auf dem Smartphone des Mitarbeiters, in Ordnern auf einem lokalen PC ("Fotos 2024", "Neue Platten", "Block 4711") oder werden per WhatsApp an Kunden geschickt. Eine Excel-Tabelle verwaltet die Plattennummern — ohne Verbindung zu den Fotos. Die Website wird einmal manuell bestückt und danach selten aktualisiert. Reststücke nach dem Zuschnitt verschwinden digital, auch wenn physisch noch Material vorhanden ist.

Die Konsequenz: Kunden müssen für die Plattenauswahl physisch ins Lager kommen. Telefonische Anfragen — "Gibt es noch hellen Bianco Carrara?" — enden damit, dass ein Mitarbeiter ins Lager geht und fotografiert. Dasselbe Material existiert unter verschiedenen Namen. Bei Projekten mit Aderungsmatching bleibt nur das physische Nebeneinanderlegen.

Scanner und Fotostation bedeuten Ökosystem-Bindung. Jeder Hersteller bringt sein eigenes Software-Ökosystem mit. Horus speichert in der Horus Cloud, Park Industries arbeitet mit tMatch und SlabSmith, Mapastone mit Mapascan Studio, STONIFY mit SAGE X3. Offene Standards für den Datenaustausch zwischen diesen Systemen existieren kaum. Middleware-Plattformen wie SlabCloud oder DataBridge decken Teilbereiche ab, lösen aber nicht das Grundproblem: Wer sich für einen Scanner oder eine Fotostation entscheidet, bindet sich an dessen Ökosystem. Vor der Investition lohnt sich die Frage: Wie kompatibel ist dieses System mit meiner bestehenden Infrastruktur — und was passiert, wenn ich in drei Jahren wechseln will?

Das Foto-Problem ist gelöst — technisch gibt es für jedes Budget eine Erfassungsmethode. Der offene Punkt ist die Brücke danach: Wie kommt das Bild vom Lager in ein System, das der Vertrieb, der Kunde und die Projektplanung nutzen können?

Vom Foto zum durchsuchbaren Katalog — unabhängig vom Erfassungssystem

DDL arbeitet nahtlos mit allen genannten Systemen zusammen: Smartphone-Fotos über die mobile App, Fotostation-Daten per direkter Anbindung und Scanner-Daten per FTP-Integration fließen in dieselbe Plattform. Jede Platte erhält Foto, Maße, Blockzuordnung, Barcode und Verfügbarkeitsstatus — unabhängig davon, wie sie erfasst wurde. Die plattenbasierte Lagerverwaltung behandelt jede Platte als einzigartiges Objekt mit eigenem Lebenszyklus: Verfügbar, Reserviert, Versandt, Verkauft. Über die Online-Galerie sehen Kunden und Planer den aktuellen Bestand — ohne Anruf, ohne Lagerbesuch. Wer heute mit dem Smartphone beginnt und morgen eine Fotostation oder einen Scanner anschließt, arbeitet auf derselben Plattform weiter.

Plattenerfassung kennenlernen

Welche Methode passt zu welchem Betrieb?

Unter 200 Platten / Startphase. Ein Smartphone reicht. Beim Fotografieren auf gleichbleibenden Kamera-Abstand zur Platte achten, gleiches Licht und gleichen Winkel sicherstellen — das definiert den festen Workflow. Im Lager kann jede Platte direkt am Standort fotografiert werden. Besonders sinnvoll: Platten bei Wareneingang erfassen, damit sie ab dem ersten Tag im System sichtbar sind. Investition: eine Stunde für die Workflow-Definition, danach ein bis drei Minuten pro Platte.

200 bis 2.000 Platten / wachsender Bestand. Der Aufwand für manuelle Fotografie wird spürbar. Eine Fotobooth oder ein DIY-Aufbau mit kontrollierter Beleuchtung amortisiert sich schnell: konsistentere Qualität, weniger Nachbearbeitung, 30 bis 60 Sekunden statt Minuten pro Platte. Wer regelmäßig neue Blöcke aufschneidet, sollte die Investition in eine professionelle Fotostation oder einen Scanner evaluieren — der ROI ist ab 1.000 Platten in der Regel erreicht.

Über 2.000 Platten / Industriebetrieb. Manuelle Erfassung ist nicht mehr wirtschaftlich. Eine professionelle Fotostation oder ein Scanner an der Produktionslinie — jede Platte wird direkt nach der Fertigung erfasst — ist der Standard in großen Betrieben. Entscheidend wird hier nicht die Erfassungsgeschwindigkeit, sondern die Frage, wohin die Daten fließen.

Bestandslager einmalig digitalisieren. Wer ein bestehendes Lager erstmals erfassen will, steht vor einer anderen Situation als der laufende Betrieb. Hier lohnt es sich, einen festen Bereich einzurichten, durch den alle Platten kontrolliert durchlaufen — entweder nochmals über die Polierstraße mit angeschlossener Erfassung oder durch einen fest aufgebauten Fotobooth. Beides ist mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden, da jede Platte einzeln bewegt und erfasst werden muss.

In allen Fällen gilt: Die Erfassungsmethode ist zweitrangig. Der Workflow danach — vom Foto zum durchsuchbaren Katalog mit Maßen, Verfügbarkeit und Kundenzugang — entscheidet über den Return on Investment.

So sieht Digitalisierung für den Nutzer aus

Die Platten eines Blocks in der Steingalerie: Einzelansicht, Skalierung, Zoom und Projektvorschau — schnell, klar, präzise.

Das Foto ist der Anfang. Nicht das Ziel.

Die Frage "Wie fotografiere ich Steinplatten?" führt schnell zur eigentlichen Frage: "Wie mache ich meinen Bestand sichtbar — für Kunden, Planer und den eigenen Vertrieb?" Die Kamera, die Fotobooth, die Fotostation oder der Scanner liefern das Bild. Aber erst die Verbindung von Bild, Maßen und Verfügbarkeit in einem System macht aus einem Foto ein Vertriebsinstrument.

Ein Betrieb, der mit dem Smartphone anfängt und einen festen Workflow etabliert, ist weiter als ein Betrieb mit 80.000-EUR-Scanner, dessen Daten auf einem lokalen PC liegen.

Fragen zur digitalen Plattenerfassung beantwortet Jan Keller.

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Plattenerfassung in Aktion sehen?

Jan Keller zeigt, wie Plattenfotos — vom Smartphone, der Fotostation oder dem Scanner — in einen durchsuchbaren Online-Katalog werden. Ein Gespräch, 20 Minuten.